Ein wissenschaftliches und kulturelles Pionier-
Was ist Genom Austria?
Die technischen Möglichkeiten zur Untersuchung unserer genetischen Veranlagung mittels Genomsequenzierung entwickeln sich rasant. Heute lassen sich Genome deutlich schneller und kostengünstiger entschlüsseln als noch vor wenigen Jahren. Next-Generation Sequencing ist auf dem Weg, eine Routinetechnologie zu werden. Doch sind wir als Gesellschaft darauf vorbereitet? Die Öffentlichkeit hat sich bisher kaum mit den Informationen auseinandergesetzt, die aus dem Genom gewonnen werden können.
Ziel des Citizen-Science-Projekts Genom Austria war es, das Eis zu brechen und eine breite Diskussion über die Potenziale, Folgen und notwendigen Rahmenbedingungen der Genomsequenzierung anzustoßen. Das Projekt, das nach einer erfolgreichen Pilotphase 2018 mangels finanzieller Unterstützung eingestellt werden musste, hatte sich zum Ziel gesetzt, wirksam zur Sensibilisierung für die Möglichkeiten und Konsequenzen der Genomsequenzierung beizutragen.
Partizipative Wissenschaft
In der Pilotphase wurde ein öffentlicher Dialog angestoßen, an dem sowohl Expert:innen als auch interessierte Laien teilnahmen um gemeinsam über die Bedeutung der Genomsequenzierung in all ihren Facetten zu reflektierten. Freiwillige erklärten sich bereit, ihre persönlichen Genome mit modernster Technologie und fachlicher Begleitung analysieren zu lassen – und die gewonnenen Daten anschließend der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Genome dieser Pionier:innen sind frei über das Internet einsehbar unter: www.genomeaustria.at und bilden die Grundlage und das Anschauungsmaterial für die breit angelegte Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der Genomforschung. Die Teilnahme an Genom Austria erfolgte freiwillig; das Projekt verfolgte weder kommerzielle noch diagnostische Ziele.
Für die Medizin der Zukunft
Wissen über menschliche Gene und ihre Funktionen leistet einen wichtigen Beitrag zur persönlichen Gesundheit und zur Medizin der Zukunft. Unser Verständnis darüber, wie genetische Variationen mit bestimmten Erkrankungen zusammenhängen, wächst kontinuierlich – und ermöglicht immer präzisere Diagnosen sowie die Entwicklung gezielterer Therapien. Genetisches Vorwissen erlaubt es zudem, Krankheiten frühzeitig zu erkennen und ihnen gezielt entgegenzuwirken. Eine genetische Veranlagung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedeutet beispielsweise nicht zwangsläufig, dass es zu einem Herzinfarkt kommen muss. In vielen Fällen liegt es weiterhin in unserer Hand, durch entsprechende Lebensstiländerungen Einfluss auf unsere Gesundheit zu nehmen.
Soziale Anliegen
Die Auseinandersetzung mit dem Genom kann wesentlich zu einem besseren Verständnis kultureller Vielfalt beitragen – und damit auch unser Gemeinschaftsgefühl stärken. Die Genomforschung zeigt uns: Es gibt keine vernünftige Grundlage für Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Hautfarbe oder Erkrankungen. Die gespendeten Genome veranschaulichen die Vielfalt innerhalb unserer Gesellschaft. Je mehr Menschen verstehen, wie viel – und zugleich wie wenig – uns das Genom tatsächlich über einen Menschen verrät, desto geringer ist die Gefahr genetischer Diskriminierung in der Zukunft.
Für weitere Informationen zum Projekt besuchen Sie www.genomaustria.at.