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15. CeMM S.M.A.R.T.-Lecture mit Alice Auersperg

15. CeMM S.M.A.R.T.-Lecture mit Alice Auersperg

Alice Auersperg giving her S.M.A.R.T. Lecture "Breaking new ground: Innovation in birds, primates and human infants"

Was wir lange Zeit für Alleinstellungsmerkmale des Menschen hielten – Intelligenz, Innovationskraft und der Gebrauch von Werkzeugen – gilt inzwischen als gründlich widerlegt. Kaum jemand zeigt das eindrucksvoller als Alice Auersperg, deren Forschung zu den innovativen Fähigkeiten von Vögeln im Zentrum der 15. S.M.A.R.T. Lecture am 17. November 2025 am CeMM stand.

Der Abend begann mit einem besonderen Moment: CeMMs Scientific Director Giulio Superti-Furga verlieh den Barlow Award für die beste Dissertation zu biologischen Mechanismen im Jahr 2024 an Anais Elewaut, eine PhD-Absolventin aus dem Labor von Anna Obenauf am IMP. Die Biochemikerin und Biotechnologin, die inzwischen am Salk Institute for Biological Studies in Kalifornien forscht, erhielt die Auszeichnung für ihre Arbeit „Cancer cells impair monocyte-mediated intratumoral T-cell stimulation to evade immunity“. Sie ist die 7. Preisträgerin dieser seit 2019 von IMP, Max Perutz Labs, IMBA und dem CeMM vergebenen Auszeichnung, die zum Gedenken an die ehemalige CeMM-Principal Investigator Denise Barlow ins Leben gerufen wurde.

Es folgte der fesselnde Vortrag von Alice Auersperg über die außergewöhnlichen Fähigkeiten von Tieren. Hohe Intelligenz – weit davon entfernt, ein rein menschliches Merkmal zu sein – scheint sich bereits im Miozän, vor 23 bis 5 Millionen Jahren, als Reaktion auf rasche Umweltveränderungen in sehr unterschiedlichen Tiergruppen entwickelt zu haben, darunter Vögel, Elefanten, Delfine und Primaten. Trotz grundlegend verschiedener Gehirnarchitekturen – Vögel verfügen über ein großes, stark gekammertes Pallium statt eines laminierten Neokortex – erreichen manche Arten kognitive Leistungen, die mit denen achtjähriger Kinder vergleichbar sind.

Anhand eindrucksvoller Videoaufnahmen zeigte Auersperg, wie ihre wichtigsten Studienobjekte – Papageien und Rabenvögel – bemerkenswerte Innovationsfähigkeit entwickeln. Diese reicht von neuartigen Futterstrategien wie dem Einweichen oder gar „Würzen“ von Nahrung bis zu technisch anspruchsvollen Neuerungen, die im Werkzeuggebrauch zum Erreichen schwer zugänglicher Ressourcen gipfeln. In experimentellen Aufbauten wie der „Multi-Access Box“ oder der „Innovation Arena“ wurden die Tiere mit komplexen Aufgaben konfrontiert, die koordinierte Handlungen erforderten: Schnüre ziehen, Bälle in Röhren fallen lassen, Stöcke durch Öffnungen schieben oder mehrere Werkzeuge nacheinander richtig einsetzen. Das Publikum verfolgte fasziniert, wie die Vögel diese Herausforderungen scheinbar mühelos meisterten.

Wie Auersperg jedoch zeigte, wird die in Laborversuchen beobachtete Komplexität von einem außergewöhnlichen Beispiel spontanen Werkzeuggebrauchs in freier Wildbahn sogar noch übertroffen: den freilebenden Papageien in Singapur. Diese Tiere verwenden drei verschiedene Werkzeuge – eines zum Schälen, eines zum Öffnen und eines zum Auslöffeln einer harten tropischen Frucht, die für die meisten Menschen unüberwindlich erscheinen würde. Dieses vielschrittige, fein abgestimmte Vorgehen, das völlig ohne Training entstanden ist, gilt als das bislang komplexeste Beispiel natürlich vorkommenden Werkzeuggebrauchs im Tierreich. Es zeigt nicht nur motorische Raffinesse, sondern auch die Fähigkeit, Handlungen zu sequenzieren, Werkzeuge für unterschiedliche Funktionen anzupassen und solche Innovationen innerhalb städtischer Papageienpopulationen weiterzugeben.

In ihren abschließenden Bemerkungen stellte Auersperg diesen Befunden die menschliche Entwicklung gegenüber. Während Kinder bis etwa zum achten Lebensjahr stark auf Nachahmung angewiesen sind, erwerben viele Tiere komplexe Verhaltensweisen durch selbstgesteuerte Erkundung. Das kann sie anfangs individuell innovativer machen. Der entscheidende Vorteil des Menschen liegt jedoch in seiner kumulativen Kultur – einem fortlaufend anwachsenden Reservoir an geteilter Erfahrung und Wissen. Sie ist es, die uns letztlich unterscheidet und unsere Art so erfolgreich gemacht hat.

Nach dem Vortrag nutzte das begeisterte Publikum die Gelegenheit zu zahlreichen Fragen, die weit in den Abend hineinreichten. Unser herzlichster Dank gilt Alice Auersperg, die die S.M.A.R.T. Lecture Series um einen weiteren außergewöhnlichen und unvergesslichen Beitrag bereichert hat.

Über die S.M.A.R.T. Lecture Series

Die S.M.A.R.T. Lecture Series widmet sich aktuellen wissenschaftlichen Herausforderungen aus interdisziplinärer Perspektive und an der Schnittstelle von Wissenschaft und Gesellschaft. Ziel ist es, zum Denken über Fachgrenzen hinaus anzuregen und den Dialog mit einer breiteren Öffentlichkeit zu fördern. Die Initiative unseres jungen Instituts befasst sich mit Themen rund um Science, Medicine, Art, Research and Technology (S.M.A.R.T.). Zweimal jährlich laden wir Vortragende ein, die für außergewöhnliche Leistungen in ihrem jeweiligen Fachgebiet bekannt sind – wir freuen uns darauf, den interdisziplinären Austausch fortzusetzen und unseren Horizont zu erweitern!

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