Forschungsschwerpunkt
Die Forschung der Arbeitsgruppe von Nuno Maulide im Bereich der Organischen Chemie konzentriert sich vor allem auf ungewöhnliche oder „unkonventionelle“ Reaktivitätsprofile organischer Verbindungen. Ein besonderes Interesse gilt hochreaktiven Zwischenstufen, die unter milden Bedingungen erzeugt werden können und durch präzise Ladungskontrolle komplexe molekulare Umlagerungen, Domino-Reaktionssequenzen oder katalytische asymmetrische Transformationen ermöglichen. Aus diesen Arbeiten hat sich ein breites Spektrum an Forschungsaktivitäten entwickelt, das zahlreiche zentrale Themen der modernen organisch-synthetischen Chemie abdeckt.
Zentrale Forschungsinteressen
- Entwicklung neuer Synthesemethoden in der organischen Chemie
- „Präzisionsmodifikation“ von C–H-Bindungen, insbesondere durch Ladungskontrolle, mit dem Ziel, solche Modifikationen systematisch in spezifischen chemischen und biologischen Kontexten nutzbar zu machen
- Entwicklung neuer chemischer Sonden in enger Zusammenarbeit mit computerbasierten Methoden
- Totalsynthese komplexer Naturstoffe
- Wirkstoffdesign und -synthese mit Anwendungen in der medizinischen Chemie und chemischen Biologie
Biosketch
Nuno Maulide ist ausgebildeter Chemiker. Er promovierte an der Université Catholique de Louvain und erhielt 2007 seinen PhD unter der Betreuung von Prof. István Markó mit Arbeiten zur Anwendung funktionalisierter Orthoester in der organischen Synthese. Anschließend forschte er als Postdoktorand in der Gruppe von Prof. Barry Trost an der Stanford University. Seine unabhängige wissenschaftliche Laufbahn begann er 2009 als Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr.
2013 wurde Nuno Maulide im Alter von 33 Jahren als Universitätsprofessor für Organische Synthese an die Universität Wien berufen, wo er seither das Institut für Organische Chemie leitet. Er war Träger eines ERC Starting Grant (2011–2016), eines ERC Consolidator Grant (2017–2022) sowie zweier ERC Proof of Concept Grants (2018 und 2023). Darüber hinaus leitete er das Christian Doppler Labor für „Entropy-Oriented Drug Design“ und wurde 2018 als „Wissenschafter des Jahres“ in Österreich ausgezeichnet.
Seit November 2018 ist Nuno Maulide Adjunct Principal Investigator am CeMM. Für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt er den Ignaz L. Lieben-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (2019), den Tetrahedron Young Investigator Award (2020) sowie den Arthur C. Cope Scholar Award (2025). Seit 2021 ist er volles Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 2024 wurde ihm zudem ein ERC Advanced Grant verliehen.
Top-5-Publikationen
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Grant PS, Vavrík M, Porte V, Meyrelles R, Maulide N. Remote proton elimination: C–H activation enabled by distal acidification. Science. 2024;384(6697):815-820. doi:10.1126/science.adi8997. (published paper)
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Brutiu BR, Iannelli G, Riomet M, Kaiser D, Maulide N. Stereodivergent 1,3-difunctionalization of alkenes by charge relocation. Nature. 2024;626(7997):92-97. doi:10.1038/s41586-023-06938-0. (published paper)
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Klose I, Di Mauro G, Kaldre D, Maulide N. Inverse hydride shuttle catalysis enables the stereoselective one-step synthesis of complex frameworks. Nat Chem. 2022;14(11):1306-1310. doi:10.1038/s41557-022-00991-4. (published paper)
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Adler P, Teskey CJ, Kaiser D, Holy M, Sitte HH, Maulide N. α-Fluorination of carbonyls with nucleophilic fluorine. Nat Chem. 2019;11(4):329-334. doi:10.1038/s41557-019-0215-z. (published paper)
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Kaldre D, Klose I, Maulide N. Stereodivergent synthesis of 1,4-dicarbonyls by traceless charge-accelerated sulfonium rearrangement. Science. 2018;361(6403):664-667. doi:10.1126/science.aat5883. (published paper)